Dichtheitsprüfung am Flachdach – Der ausführliche Fachratgeber
Dieser Ratgeber gibt einen umfassenden Überblick über Anlässe, Normen, Verfahren und Systeme der Dichtheitsprüfung am Flachdach und hilft Bauherren, Planern, Dachdeckern und Sachverständigen bei der Wahl des passenden Prüfverfahrens.
Einleitung
Das Flachdach zählt zu den anspruchsvollsten Bauteilen im Hochbau. Anders als beim Steildach, bei dem Wasser durch die Dachneigung rasch abfließt, steht auf Flachdächern Regenwasser häufig für längere Zeit auf der Dachfläche. Jede noch so kleine Undichtigkeit in der Abdichtungsebene kann daher zu Feuchteschäden an der Dämmung, der Tragkonstruktion oder den darunterliegenden Innenräumen führen. Aus diesem Grund kommt der Dichtheitsprüfung – also der systematischen Kontrolle, ob eine Dachabdichtung tatsächlich wasser- und luftdicht ist – eine zentrale Bedeutung zu, sowohl bei der Neubauabnahme als auch bei Sanierungen, Gewährleistungsprüfungen und im Schadensfall.
1. Warum ist die Dichtheitsprüfung so wichtig?
Verdeckte Mängel: Undichtigkeiten in der Abdichtungsbahn, an Nähten, Durchdringungen (Rohre, Lichtkuppeln, Antennen) oder Anschlüssen sind mit bloßem Auge oft nicht erkennbar.
Folgeschäden: Eindringende Feuchtigkeit kann Dämmstoffe durchfeuchten, die Tragkonstruktion schädigen, Schimmelbildung begünstigen und im schlimmsten Fall zu Einstürzen führen.
Beweissicherung: Eine dokumentierte Dichtheitsprüfung vor der Übergabe schützt Bauunternehmen und Dachdecker vor späteren, unberechtigten Mängelrügen – und den Bauherrn vor teuren Überraschungen.
Gewährleistung: Viele Auftraggeber verlangen eine Dichtheitsprüfung als Voraussetzung für die Abnahme, insbesondere bei genutzten Dachflächen (Dachterrassen, Gründächer, Parkdecks).
Wirtschaftlichkeit: Eine frühzeitig erkannte Leckage ist um ein Vielfaches günstiger zu beheben als ein bereits eingetretener Wasserschaden.
2. Normative und technische Grundlagen
Auch wenn es keine einzelne "Dichtheitsprüfnorm" gibt, die alle Verfahren verbindlich regelt, orientieren sich Fachfirmen an folgenden Regelwerken:
Flachdachrichtlinie (Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks) – Grundlage für Planung und Ausführung von Abdichtungen.
DIN 18531 – Abdichtung von Dächern sowie Balkonen, Loggien und Laubengängen.
DIN EN 13956 – Anforderungen an Kunststoff- und Elastomerbahnen für Dachabdichtungen.
DIN EN 1928 – Bestimmung der Wasserdichtheit (Prüfverfahren für Bahnenmaterial).
ASTM D7877 / D7954 – US-amerikanische Standards für elektrische Leckortung (Electronic Leak Detection, ELD), international häufig als Referenz herangezogen.
FLL-Richtlinien – bei Gründächern (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau) mit besonderen Anforderungen an Durchwurzelungsfestigkeit und Dichtheit.
Werksnormen und Verlegerichtlinien der Bahnenhersteller (z. B. für Kunststoff-, Bitumen- oder Flüssigabdichtungen).
Da eine allgemeingültige, verpflichtende Prüfnorm fehlt, wird die Art der Prüfung in der Praxis meist vertraglich vereinbart – idealerweise bereits in der Ausschreibung.
3. Wann wird eine Dichtheitsprüfung durchgeführt?
AnlassZiel der PrüfungNeubauabnahmeNachweis der fachgerechten Ausführung vor Übergabe, oft vor Aufbringung des Oberbelags (Kies, Platten, Substrat)Vor Substrat-/Belagseinbau bei GründächernLetzte Kontrollmöglichkeit, bevor die Abdichtung dauerhaft überdeckt wirdSanierung/UmbauPrüfung des Bestands vor und nach InstandsetzungsmaßnahmenSchadensfallLokalisierung der genauen Leckstelle bei bekanntem WassereintrittGewährleistungsendeNachweis, dass die Abdichtung noch funktionsfähig istRegelmäßige WartungVorbeugende Kontrolle stark beanspruchter Flächen (Dachterrassen, befahrbare Decks)
4. Die Prüfsysteme im Überblick
Im Folgenden werden alle gängigen Verfahren zur Dichtheitsprüfung an Flachdächern vorgestellt – von einfachen Sichtprüfungen bis zu hochsensiblen elektronischen Ortungssystemen.
4.1 Wasserstandsprobe (Flutungsprüfung)
Die klassische und älteste Methode. Die Dachfläche wird durch verschlossene Notüberläufe und Abläufe für eine definierte Zeit (üblicherweise 24–72 Stunden) mit Wasser geflutet.
Ablauf:
Statische Prüfung der Tragfähigkeit für die Wasserlast (unbedingt vorab klären!)
Abdichten aller Abläufe, Aufkantungen kontrollieren
Einstau von Wasser (i. d. R. 3–5 cm Stauhöhe)
Beobachtungszeitraum mit Kontrolle der Innenräume/Untersicht
Kontrolliertes Ablassen des Wassers
Vorteile:
Sehr aussagekräftig, prüft die gesamte Fläche unter realen Bedingungen
Keine speziellen Geräte notwendig
Anerkanntes, traditionelles Verfahren
Nachteile:
Hohe zusätzliche Traglast auf der Dachkonstruktion (statischer Nachweis erforderlich)
Zeitaufwendig (mehrere Tage)
Bei Undichtigkeit ist die genaue Leckstelle nicht automatisch lokalisiert
Risiko bei Frost, unklare Tragreserven oder bereits verbauten Aufbauten
Nicht geeignet für stark gegliederte Dächer mit vielen Aufbauten
4.2 Elektrische Leckortung (ELD – Electronic Leak Detection)
Die elektrische Leckortung hat sich in den letzten Jahren als Standardverfahren für hochwertige Abdichtungsprüfungen etabliert, insbesondere bei Gründächern, Dachterrassen und Parkdecks. Sie basiert auf dem Prinzip, dass die Abdichtungsbahn als Isolator wirkt; an Fehlstellen kann elektrischer Strom hindurchtreten und lässt sich messtechnisch orten. Es gibt mehrere Unterverfahren:
a) Hochspannungs-Sprühelektroden-Verfahren (Vakuumbezogene Trockenprüfung)
Über eine Sprühelektrode wird ein hochgespannter Impuls (bis zu ca. 40.000 Volt) über die trockene, unbelegte Abdichtungsoberfläche geführt. An Fehlstellen kommt es zu einem Spannungsdurchschlag zum leitfähigen Untergrund, der akustisch und optisch am Gerät signalisiert wird.
Voraussetzungen: elektrisch leitfähiger Untergrund (z. B. Beton, leitfähige Trennlage), keine leitenden Metallbleche in der Abdichtungsebene, trockene Oberfläche.
Vorteile: sehr präzise Lokalisierung einzelner Fehlstellen, auch auf großen und komplex gegliederten Flächen, keine Wasserlast auf dem Dach, zerstörungsfrei.
Nachteile: nur auf unbelegten (nicht überdeckten) Flächen anwendbar, Untergrund muss leitfähig sein.
b) Nassprüfung / Niederspannungsverfahren (Wet ELD, geoelektrisches Verfahren)
Die Dachfläche wird mit einer dünnen Wasserschicht überstaut. Über eine Ringelektrode auf der Wasseroberfläche und eine Gegenelektrode im/unter dem Untergrund wird eine niedrige Spannung angelegt. An Leckstellen fließt Strom durch die Abdichtung, was über ein Rasterverfahren (Elektroden-Raster) präzise geortet werden kann.
Vorteile: funktioniert auch bei bereits eingebautem Substrat oder Belag (z. B. bei Gründächern nach Substrateinbau, sofern Wasser eingebracht werden kann), sehr genaue punktuelle Ortung.
Nachteile: Wasser muss auf der Fläche vorgehalten werden, aufwendiger technischer Aufbau, ebenfalls leitfähiger Untergrund notwendig.
c) Impulsmethode nach ASTM D7877 (kombiniertes Verfahren)
Diese Methode kombiniert Elemente der Hochspannungs- und Niederspannungsverfahren und wird häufig bei genutzten, bereits überbauten Dächern (z. B. mit Gehwegplatten, Substrat oder Kies) eingesetzt, da keine vollständige Freilegung notwendig ist.
Vorteile: zerstörungsfreie Prüfung auch bei bereits fertiggestelltem Dachaufbau, hohe Genauigkeit.
Nachteile: spezialisierte Ausrüstung und geschultes Personal erforderlich, Untergrundleitfähigkeit weiterhin Voraussetzung.
Praxishinweis: Elektrische Leckortungsverfahren gelten heute als das genaueste zerstörungsfreie Prüfverfahren am Markt und werden von vielen Bauherren und Fachplanern – insbesondere bei Gründächern – standardmäßig gefordert.
4.3 Vakuumprüfung (Vacuum-Box-Test)
Eine transparente Prüfglocke mit umlaufender Dichtlippe wird über verdächtige Bereiche (v. a. Schweiß- und Klebenähte) gesetzt und mit einem Unterdruck von ca. 0,2–0,5 bar beaufschlagt. Zuvor wird die Fläche mit Seifenlauge bestrichen; an undichten Stellen bilden sich sichtbare Luftblasen.
Vorteile: einfach, kostengünstig, gut geeignet zur gezielten Prüfung von Nahtverbindungen (z. B. bei Kunststoffbahnen, Foliendächern, Behälterabdichtungen).
Nachteile: nur punktuelle/streifenweise Prüfung möglich, sehr zeitintensiv bei großen Flächen, nicht für die Prüfung ganzer Dachflächen geeignet, an unebenen Details (Kehlen, Anschlüssen) schwer anwendbar.
4.4 Rauch- bzw. Nebelprüfung (Smoke Testing)
In das zu prüfende System (z. B. Lüftungs- oder Entwässerungsleitungen, Hohlräume unter der Abdichtung) wird künstlicher, ungiftiger Rauch oder Nebel unter leichtem Überdruck eingeblasen. Tritt der Rauch an unerwarteten Stellen aus, deutet dies auf Undichtigkeiten hin.
Vorteile: anschauliche, schnelle Methode zur groben Lokalisierung, gut geeignet zur Prüfung von Durchdringungen und Anschlussdetails.
Nachteile: eher qualitativ als quantitativ, weniger präzise als elektrische Verfahren, abhängig von Windverhältnissen im Außenbereich.
4.5 Infrarot-Thermografie
Mittels Wärmebildkamera werden Temperaturunterschiede auf der Dachoberfläche sichtbar gemacht. Durchfeuchtete Dämmschichten speichern Wärme anders als trockene Bereiche und zeichnen sich – insbesondere in den frühen Morgenstunden nach klaren Nächten – als thermische Anomalien ab.
Vorteile: zerstörungsfreie Übersichtsprüfung großer Flächen, gut geeignet, um bereits durchfeuchtete Dämmbereiche zu identifizieren (nicht nur akute Lecks), Dokumentation per Bildmaterial.
Nachteile: erfordert bestimmte Witterungsbedingungen (Temperaturdifferenz, trockene Fläche, wenig Wind), zeigt vorhandene Feuchte, nicht zwingend die exakte Leckstelle, Interpretation erfordert Erfahrung.
4.6 Differenzdruckprüfung / Blower-Door-Verfahren
Ursprünglich aus der Luftdichtheitsprüfung von Gebäudehüllen bekannt, wird dieses Verfahren auch zur Prüfung großflächiger, geschlossener Dachaufbauten (z. B. Hallendächer mit darunterliegendem Luftraum) eingesetzt. Über ein Gebläse wird eine Über- oder Unterdruckdifferenz erzeugt; mittels Rauchröhrchen, Anemometer oder Thermografie werden Leckagestellen an der Luftdichtungsebene lokalisiert.
Vorteile: gut geeignet für die Prüfung der Luftdichtheit (nicht nur Wasserdichtheit), z. B. bei Dampfsperren.
Nachteile: primär für die Luftdichtheitsebene, nicht direkt für die wasserführende Abdichtungsschicht konzipiert, aufwendiger Geräteeinsatz bei großen Flächen.
4.7 Permanente Leckageortungssysteme (fest installierte Sensorsysteme)
Bei hochwertigen oder schwer zugänglichen Flachdächern (z. B. Gründächern, Parkdecks, Dächern mit Photovoltaikanlagen) werden zunehmend dauerhaft im Dachaufbau verlegte Sensordrahtsysteme eingebaut. Ein Gitternetz aus Sensordrähten wird unterhalb oder oberhalb der Abdichtung verlegt und dauerhaft an eine Auswerteeinheit angeschlossen.
Funktionsweise: Bei einer Undichtigkeit verändert eindringende Feuchtigkeit den elektrischen Widerstand zwischen den Sensordrähten; das System meldet die Leckage inklusive Koordinaten in Echtzeit oder bei der nächsten Prüfabfrage.
Vorteile: kontinuierliche Überwachung über die gesamte Nutzungsdauer, sehr genaue Lokalisierung auch nach Jahren, ideal für nicht mehr zugängliche oder stark überbaute Flächen (Gründächer, Tiefgaragendecken).
Nachteile: höhere Investitionskosten, muss bereits bei Neubau/Sanierung mitgeplant und eingebaut werden, funktioniert nur mit kompatiblen Abdichtungssystemen.
4.8 Sicht- und Feuchtigkeitsprüfung (Basisverfahren)
Auch einfache, nicht-elektronische Methoden gehören zum Prüfrepertoire und werden häufig ergänzend eingesetzt:
Visuelle Inspektion: Prüfung von Nähten, Anschlüssen, Durchdringungen, Blasenbildung, Rissen und mechanischen Beschädigungen.
Feuchtemessung: Elektronische Feuchtemessgeräte (kapazitiv oder mit Messelektroden) zur Bestimmung des Feuchtegehalts in Dämmstoffen, oft in Kombination mit Kernbohrungen zur Materialentnahme.
Darrprobe: Laboranalytische Bestimmung des Feuchtegehalts einer entnommenen Materialprobe durch Trocknung und Gewichtsvergleich – sehr präzise, aber destruktiv und zeitaufwendig (Laborzeit).
Vorteile: kostengünstig, schnelle erste Einschätzung, keine Spezialgeräte notwendig.
Nachteile: rein qualitativ, keine Aussage über exakte Leckstelle, oft nur ergänzend zu anderen Verfahren sinnvoll.
5. Vergleichstabelle der Prüfverfahren
VerfahrenGenauigkeit der OrtungFür belegte Flächen geeignetZeitaufwandKostenZerstörungsfreiWasserstandsprobegering (nur Nachweis, keine Ortung)bedingthoch (Tage)mitteljaHochspannungs-ELD (trocken)sehr hochneingering–mittelmittel–hochjaNass-ELD (Niederspannung)sehr hochja (mit Wasser)mittelhochjaImpuls-ELD (ASTM D7877)sehr hochjamittelhochjaVakuumprüfung (Nähte)hoch (punktuell)teilweisehoch bei großen Flächengering–mitteljaRauch-/NebelprüfungmittelteilweisegeringgeringjaInfrarot-Thermografiemittel (Feuchtenachweis)jageringmitteljaBlower-Door / Differenzdruckmittel (Luftdichtheit)jamittelmitteljaPermanentes Sensorsystemsehr hoch, dauerhaftja (integriert)einmaliger Einbauaufwandhoch (Investition)jaSicht-/Feuchtemessunggeringjageringgeringteilweise (Kernbohrung)
6. Wichtige Voraussetzungen für elektrische Leckortung
Da die elektrischen Verfahren heute als Goldstandard gelten, hier die wichtigsten Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Prüfung:
Leitfähiger Untergrund: Beton, Estrich oder speziell eingebaute leitfähige Trennlagen sind Voraussetzung, da der Untergrund als Gegenelektrode dient.
Keine leitenden Störschichten: Metallkaschierte Dampfsperren oder Metalldächer unterhalb der Prüfebene können das Messsignal verfälschen und müssen berücksichtigt oder ausgeschlossen werden.
Trockene Oberfläche (bei Hochspannungsverfahren): Nässe oder starker Tau verfälschen das Ergebnis.
Elektrisch isolierte Randanschlüsse: Metallische Attiken, Blitzschutzanlagen oder Geländer müssen bei der Prüfung berücksichtigt bzw. temporär isoliert werden.
Geschultes Fachpersonal: Die Interpretation der Messsignale erfordert Erfahrung, um Fehlalarme (z. B. durch Bewehrungseisen) auszuschließen.
7. Typischer Ablauf einer professionellen Dichtheitsprüfung
Vorgespräch & Bestandsaufnahme: Klärung des Dachaufbaus, der verwendeten Abdichtungsbahnen, der Nutzung und des Prüfanlasses.
Wahl des geeigneten Verfahrens: In Abhängigkeit von Zugänglichkeit, Aufbau, Kosten- und Zeitrahmen.
Vorbereitung der Fläche: Reinigung, ggf. Freilegung, Absicherung der Arbeitsstelle.
Durchführung der Prüfung: Nach Herstellervorgaben bzw. anerkannten Prüfnormen.
Dokumentation: Prüfprotokoll mit Fotodokumentation, Lageplan der gefundenen Fehlstellen, Messwerten und ggf. Videobeweis.
Mängelbeseitigung: Reparatur der georteten Leckstellen durch Fachbetrieb.
Nachprüfung: Kontrollprüfung der reparierten Bereiche zur Bestätigung der Dichtheit.
8. Kostenfaktoren
Die Kosten einer Dichtheitsprüfung hängen stark vom gewählten Verfahren, der Dachfläche und der Zugänglichkeit ab:
Einfache Sicht-/Feuchtemessung: gering, oft im Rahmen einer regulären Dachinspektion enthalten
Vakuumprüfung punktuell: gering bis mittel, abhängig von der Anzahl zu prüfender Nähte
Elektrische Leckortung: mittlerer bis hoher Aufwand, meist Abrechnung nach Quadratmeter Prüffläche, mit Mindestpauschale für Anfahrt und Geräteeinrichtung
Wasserstandsprobe: mittlerer Aufwand, zusätzlich Kosten für ggf. erforderlichen statischen Nachweis
Permanente Sensorsysteme: höhere Investitionskosten beim Einbau, dafür langfristige Einsparungen durch frühzeitige Schadenserkennung
Grundsätzlich gilt: Die Investition in eine fachgerechte Prüfung ist im Vergleich zu den Folgekosten eines unentdeckten Wasserschadens (Sanierung von Dämmung, Tragwerk, Innenausbau) meist um ein Vielfaches geringer.
9. Wer darf eine Dichtheitsprüfung durchführen?
Dachdeckerfachbetriebe mit entsprechender Zusatzqualifikation für elektrische Leckortung
Spezialisierte Prüfdienstleister, die sich ausschließlich auf Leckortung spezialisiert haben (häufig herstellerunabhängig)
Sachverständige für Bauwerksabdichtung, insbesondere bei Schadensfällen und im Rahmen von Gutachten
Systemhersteller von Abdichtungsbahnen, die im Rahmen von Garantieverlängerungen eigene Prüfungen anbieten oder vorschreiben
Bei Gründächern und hochwertigen Nutzflächen empfiehlt es sich, bereits in der Ausschreibung festzulegen, welches Prüfverfahren eingesetzt und von wem die Prüfung durchgeführt wird.
10. Fazit und Empfehlung
Eine fundierte Dichtheitsprüfung ist bei jedem Flachdach – ob Neubau oder Bestand – ein unverzichtbarer Baustein der Qualitätssicherung. Während die klassische Wasserstandsprobe nach wie vor ihre Berechtigung hat, haben sich die elektrischen Leckortungsverfahren aufgrund ihrer hohen Präzision, Zerstörungsfreiheit und Anwendbarkeit auch auf bereits fertiggestellten Dachaufbauten als moderner Standard etabliert. Ergänzend liefern Thermografie, Vakuumprüfung und Rauchtests wertvolle zusätzliche Informationen, insbesondere bei der gezielten Detailprüfung.
Für langfristig hochwertige und schwer zugängliche Dächer – etwa Gründächer oder Parkdecks – lohnt sich zudem die Überlegung, bereits beim Bau ein permanentes Sensorsystem einzuplanen, das eine kontinuierliche Überwachung über die gesamte Nutzungsdauer ermöglicht.
Die Wahl des richtigen Prüfverfahrens sollte stets in Abstimmung mit einem erfahrenen Fachbetrieb oder Sachverständigen erfolgen – abgestimmt auf Dachaufbau, Nutzung, Budget und den konkreten Prüfanlass.
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